IX. Psalm. Zu singen dem Herrn im Herzen nach einer genossenen Freude des Lebens.
" O Gott, Du allmächtiger, heiliger, liebvollster Vater! Wie gnädig und wie voll der Erbarmung bist Du, und gut selbst dem thörichten Sünder.

In aller der Mitte des sündigen weltlichen Treibens läßt Du uns erleben so manche gar herrliche Freuden, damit auch der thörichte Sünder erfahren es soll und fühlen ganz tief in dem Herzen, wie gut und wie liebvollst Du bist.

Aber, - wo ist derjenige sündige Schmecker der Freuden des Lebens, der nach genossener Freude des Lebens Dir heiligem, Dir liebvollstem Geber gebührend darbrächte ein ziemendes Lob?

O Menschen, o Menschen, wie könnt ihr inmitten erhebender Freuden des heiligen Gebers vergessen?

Wenn hehr und erhaben, und freundlichst dich liebend zur Seite dir wandelt ein gastlicher Freund, eine muntere Schwester, voll Anmuth und Freude, wenn du dich da freuest am lieblichen Wege, und dich dann erquickest am gastlichen Tische des Freundes, und saugest tief atmend in mächtigen Zügen die würzende Liebe der lieblichen Schwester in dein wonniges Herz.

Höre Bruder! wie ist es wohl möglich, daß du nach so wonnigst genossener Freude des Lebens, des heiligen freundschaftlichsten Gebers solch himmlischer Gaben, vergessen je kannst?

O du theurer Bruder, bedenke, bedenke, daß solch erhebende Freuden des Lebens die magere Erde nicht beut, wohl aber ein liebvollster, heiligster Vater sie hauchet gar freundlichst in unsere sündigen Herzen sogar, und mach fähig dieselben für höh're Genüsse des Lebens.

Wenn Solches zu leugnen du nimmer vermagst, wenn dir jede vor Freude und Wonne erbebende Fiber des Lebens es saget:

Ein Gott, ein allmächtiger, heiliger Vater, läßt wehen aus allen den Sternen, aus allen den lichtvollen Räumen, aus allen den Sonnen, und allen den Zonen der Erde gar freundliche Lüfte, um dich zu erquicken und fähig zu machen für stets nur noch höhere Freuden dein sonst stumpfsinniges Leben, dein starres unbeugsames Herz, -

O dann falle zur Erde du nieder, und sage im Herzen: Du heiliger, liebvollster Vater! Mich Sünder vor Dir und der Erde, hast Du nun getränket mit himmlischer Freude.

Mit Wonne der Engel des Himmels hast Du nun erfüllet mein Herz; alle Sterne der Himmel erglühten in hellerem Lichte, die Lüfte der Erde umwehten harmonisch mein heitres Gesicht.

Aus den Augen der lieblichen Schwester hast Du mich, gar ärmlichen Sünder, von ihrem Schutzgeiste so mild und sanft anschauen lassen; wie strahlt aus denselben so sehr ein unsterblicher Geist, voll der süßesten wonnigsten Liebe.

Und wie gar so gut hast Du heiliger Vater das Herz eines freundlichen Bruders gestimmet. Wie war er bemüht, die Engel des Himmels nachahmend, mit Allem zu dienen mir ärmlichen Sünder, womit er nur immer die Freude des Lebens erhöhen mir konnte.

O Vater, dieß All's, und noch unnennbar And'res, hast Du mir, dem Sünder, so sehr und so wonnig bereitet.

So nimm denn auch gnädigst von mir armen Sünder vor Dir, meinen werthlosen Dank also an, vor Dir für so herrliche Gaben, als doch irgend etwas; und laß allzeit mich loben und preisen, Dich heiligen Vater, Dich liebvollsten Geber allein. Dir sei Dank und die Ehre, der Ruhm und die Liebe von mir armen Sünder dafür ewig. Amen."
[PsG.02_009]