VIII. Psalm. Vorzutragen dem Herrn um Heilung der leiblichen Krankheiten.
" O Herr, Du bist gütig und voll der Geduld, und voll der Liebe und Gnad' und Erbarmung: so sehe denn mild auf mich leidendes und im Staube der Erde gar krankhaft und schmerzlich hin und her wälzendes Würmchen, von Deinem erhebensten göttlichen Throne herab.

Sieh, es quält mich gar ärglich ein lästiges Uebel, und macht unbehilflich und gänzlich unfähig den Leib, diese ohnehin lästige Hülle des Geistes, darum ich nichts thun und nichts wirken da kann, was zum ewigen Leben und Heile mir nützend da wäre.

Schon fängt mich an alle Geduld zu verlassen, da Du, lieber Vater, mich Leidenden nicht zu erhören nun scheinest, da ich Dich aus meinen alltiefesten Nöthen anrufe.

O zaudre nicht, zaudre nicht, liebvollster, heiliger Vater, und helfe mir armen, mir schwachen, mir leidenden Sünder, denn sonst geh' ich wahrlich zu Grunde, am Geist und an meiner mitleidenden Seele, so Du mir nicht ehestens hilfst aus der Trübsal des Leibes.

Ich war wohl selbst Schuld, und hab selbst mir das Uebel des Leib's zugezogen, darum ich nicht lebte der heiligen Ordnung gemäß, die Du liebevollster Vater als einzige Richtschnur für's Leben des Geist's wie des Leibes so treu uns dereinst hast gegeben durch Moses am heiligen Sinai.

Ja, hochgefehlt war's von mir; doch nun kann ich's nicht anders mehr machen, nicht ungeschehen mehr die gar thöricht verübeten Thaten, nicht nehmen von mir nun die brennende tödtende Sünde. Darum denn erbarme Dich meiner, Du liebvollster Vater, und nehme die Sünde von mir, und mach' wieder mich leben für bessere That; ja für Liebe und Ordnung, ertheil' die Gesundheit des Leibes mir kranken, mir schmachtenden, leidendem Wurm im Staube vor Dir! -

O Gesundheit, du einzig nur reinste Quelle der Freuden des Lebens, wann wirst du denn wieder ganz eigen mir werden? Wann wirst du balsamischer goldener Tropfen entträufen der heiligen Gnade des himmlischen Vaters, und Heilung und Stärkung mir bringen in dieß mein zerrissenes Leben der Welt?

Ach, du säumest, du himmlische Wolke, magst nimmer mir bringen von heiligen Winden getragen den stärkenden heiligen, heilenden Tropfen des Balsams der Gnade von Oben, vom heiligen Vater?

O Schmerz, o du doppelter Schmerz, weiche, weiche von mir, und nicht quäle mich Armen so lang und so stark, und gieb Raum mir zu beten und zu bitten um Lind'rung von Oben, vom heiligen, liebvollsten Vater, damit ich erstarke im Glauben, daß Er nur, der heilige Vater, gar sicher bald helfen wird aus der Qual und der Angst, die ich leide in diesem zerrissenen Leibe?

O Vater, Du heiliger, liebvollster Vater, erhöre, erhöre doch einmal mein ängstliches Flehen, und mache mich wieder gesund; denn ich kann ja nicht lieben, nicht loben und preisen Dich, heiliger Vater, nach Würde und Recht und Gebühr in dem kranken zerrissenen Leibe.

O Jesus, du mächtigster Name, Du hast ja die Todten dem Grabe entsteigen gemacht; o so sprich denn zu mir auch ein mächtiges Wort, und ich werde ganz sicher genesen von allem dem Uebel des Leib's, wie der Seel' und des Geistes, durch Dein allerbarmendes mächtiges Wort?

Doch sollt ich wohl nicht würdig mehr sein Deiner heiligen Gnade, nicht werth mehr der göttlichen Hilfe aus Dir, o so sei doch bedacht meiner sündigen Seele, und meines stark schwankenden Geistes, und gieb mir Geduld in der Tragung des Kreuzes, das Du mir zur Tilgung meiner Sünden hast mild auferlegt, und so denn geschehe Dein heiliger Wille, o Jesus, Dein heiliger Wille stets. Amen."
[PsG.02_008]