XV. Psalm. Zu singen dem Herrn am Tage der Heimsuchung.
" O Herr! wie Du mir hast gegeben ganz sonders beschaffen mein Wesen, so lehrest und ziehest und leitest Du mich auch, nach Deinem allheiligsten weisesten Willen, zu wandeln den Weg der Gerechten.

Wie köstlich und löblich zu wandeln ist doch solch' ein Weg, den Du Vater, Du heiligster Vater, als Schöpfer und Herr alles Lebens, uns Deinen Geschöpfen Selbst weisest, auf daß wir auf solch' einem Wege voll göttlichen Lichtes und Lebens als schwache Geschöpfe das ewige Leben voll freiester Kraft möchten seligst erlangen aus Dir, o Du heiligster Vater.

Doch wie Du, o heiligster Vater und Schöpfer der Engel und Menschen, hier über die zeitliche wandelnde Erde so zahllos verschiedene Blumen und Gräser und Bäume und Sträucher hast weisest geschaffen, da keines dem andern da gleichet an Farbe, Gestalt und Geruch und Geschmack, und doch Jegliches jenem hochheiligen Zwecke, den Du ihm gestellet, vollkommenst entspricht; -

O - so wirst Du auch, heiligster Vater! uns Menschen, die wir auf der schwebenden schwankenden Erde, vom Tode zum Tode als Deine Erlösten, hier trauernd und hoffend fortwandeln, den einstigen ewigen heiligen Zweck, den Du Selbst uns gesetzt und gezeigt, uns treu helfend erreichen und finden wohl lassen.

Es gleicht, wie ich's sehe und allzeit erfahre, wohl freilich ein menschliches Leben dem anderen nicht; denn fast Jeder da handelt und wandelt, als hätt' er schier einen ganz eigenen Schöpfer und Gott, dessen innern heimlichen Winken zu folgen er scheint; -

Aber da ruft die Erde und all' ihre göttliche Schöpfung mir zu: "O du thörichter Forscher und Sucher in Dingen und Wegen, die Gott hat geordnet, bevor noch im endlosen Raume geleuchtet hat eine der zahllosen Sonnen, sieh', selbst auf dem einen und nämlichen Baume nicht ein Blatt dem andern gleichet in Fülle! - Wie willst du die freiest geschaffene Menschheit gemodelt wohl haben?" -

Wenn Solch's ich vernommen von aller der irdischen Schöpfung wie einen gar endlos vielstimmigen Chor zum erstaunlichsten Lobe des ewig fortschöpfenden Vaters, der heilig ist, zahllosmal heilig, da werd' ich voll seligster Freude und stimme, wie ein schon dem Grabe entstiegener seligster Geist, in den großen harmonischen Jubelakkord aller endlosen Schöpfung, und singe:

"O heiliger, ewig allweisester, liebvollster Vater! wie gut, ja wie überaus gut mußt Du sein, daß Du mir, dem noch sterblichen Wandler auf dieser vergänglichen Erde, so klärlich magst zeigen, wie endlos viel Wege voll Lichtes und ewiger Wahrheit geschaffen Du hat, daß auf denen wir hier als angehende Kinder und schwächliche Schüler des Lebens die Pfade zu Dir, o Du heiligster Vater, ja nimmer verfehlen wohl könnten.

"Dich loben die Engel, die Sonnen und Welten und alle die Kräfte der Himmel und Welten als ihren allmächtigsten, gütigsten, weisesten Schöpfer, denn Du bist ihr einiger Herr und ihr einiger Gott!

"O so laß denn Du heiligster Vater, auch mir, wenn schon nur als einen gar nichtigen Wurme im Staube vor Dir, Dich loben und preisen, wie Du mich geschaffen aus Deiner allheiligsten Ordnung zu Deinem unendlichen Lobe und Preise da hast."

Denn was kann ich, was soll ich Dir sonsten wohl geben, o Vater im Himmel, 's ist Alles ja Dein, was ich habe und bin; aber loben und preisen, o heiligster Vater, mit Handeln und Wandeln und Worten nach solcher gar heiligen Ordnung, die Du mir hast darum und so nur gegeben, das kann ich, das muß ich, - denn diese gar heilige Ordnung in mir ist ja eben die göttliche Freiheit des ewig unsterblichen Geistes, den Du mir aus Dir hast gegeben, daß demnach durch ihn ich in Dir kann erkennen den ewigen heiligen Vater.

Ich hab' Dich erkannt und gefunden, Du heiliger Vater, und habe erkannt und gefunden die heilige Ordnung der ewigen Liebe in meinem unsterblichen Geiste, den Du mir aus Dir hast gegeben, wie sonderlich er auch sein mag vor dem Geiste der andern Menschen und Brüder.

So will ich denn auch Dich, o heiliger Vater, wie ich Dich gefunden, auf dem mir beschiedenen Wege, im Geiste der Ordnung, die Du mir gegeben, stets loben und preisen. - Und o sei, o Vater, voll Güte und Liebe und Weisheit, im Geiste und Wahrheit gelobt und gepriesen Dein heiliger Name in Ewigkeit. Amen."
[PsG.02_015]