9. Die Träume.
Vorbemerkung (zum Folgenden).
(J.L's Bitte. Am 7. Januar 1841.)

O Du mein allerbester, allerliebster Herr Jesus, so Dein heiligster Wille es wäre, möchtest Du mir denn nicht gnädig anzeigen, was denn doch eigentlich die Träume sind, und was man davon halten solle, denn gar oft hat der Mensch bedeutende, und oft auch wenigstens unbedeutend scheinende Träume; und wenn man nicht weiß, wie, wann, was und wodurch und warum, so würdigt man vielleicht einseitig diese Erscheinung gar nicht oder zu wenig, oder oft leichtlich zu viel; -

Daher, o Du allerbester, allerliebster Herr Jesus, möchtest mir armen Sünder anzeigen und darinnen das rechte Verständnis! Nehme aber ja nicht ungnädig auf diese vielleicht zu vorwitzige Frage; denn Dein Wille bleibe allzeit heilig, heilig, heilig, und über Alles Deine Macht und Stärke; daher geschehe nur Dein Wille, denn ich möchte lieber ewig nichts wissen, als etwas, so da nicht wäre nach Deinem allerheiligsten Willen, Amen, nur in Deinem heiligsten Namen. Amen.
So schreibe:


Wenn noch das Kind im Mutterleibe ruhig sauget
Des Blutes Säfte, da für Solch's nichts And'res tauget,
Da saugt deß Seele auch schon himmelsreine Lüfte
Und waidet sich ihr Geist auf Meiner Gnadentrifte.
Und das der Leib dem Mutterleibe hat entnommen,
Und was daselbst in Geist und Seele ist gekommen,
Das bildet sich hernach im weltlich Außenleben,
So ihm im Mutterleibe war von Mir gegeben.

So aber du der finst'ren Kammer Lichtgebilde
Da schauest, Bäume, Häuser, Wesen und Gefilde,
So Solches in der Kammer nirgends ist zu finden;
Nun sieh', das ist, worauf sich alle Träume gründen.
So sieht der Leib durch's Auge nichts als seines Gleichen,
Da seinem Lichte all' der Seele Bilder weichen;
Und wenn der Körper schlafend finster ist geworden,
So sieht die Seele ihres Gleichen dann in Horden.

Wenn aber auch die Seel' zur Ruh' sich hat begeben,
Und so dem Geist' anheim gestellet wird das Streben,
Wie auch das Regen in des eig'nen Lichtes Sfären,
Da kann der Geist dann auch zum Geistigen sich kehren;
Und was der Geist geschauet hat im Vaterhause,
Das kann die Seel' gewahren auch in ihrer Klause.
Und wenn der Leib dann wach geworden ist vom Schlafe,
Gewahrt er öfter noch des Geistes Gnad' und Strafe.

Doch ist bei Menschen, die ein weltlich Leben führen,
Von reinen Geistesträumen nie gar viel zu spüren.
Da träumt die Seele nur der Welt entnomm'ne Dinge
Und meist, daran das Herz am Tage leidlich hinge;
Und da sind solche leere, bunte Seelenträume
Wohl nichts, als was da sich des faulen Wassers Schäume.
Nur wenn der kranken Seele sich oft Bilder zeigen,
Sind manchmal sie zu rütteln und zu ängsten eigen.

Und es sind solcher Träume fähig selbst die Thiere,
Und heller oft, obschon entlehnt dem Nachtreviere.
Doch solcher Träume Sinn ist stets nur wüst' und öde,
Voll Trug und Arg, und demnach jede Deutung schnöde;
Nur wenn die Träume euren Erdensinn verwirren
Und euch auf kurz in Meiner Gnade Reich entführen,
Dann sollt ihr merken solche Träume euch hienieden,
Und fassen sie in's Herz zu eurer Seele Frieden.

Denn wann ihr träumet so von eitlen Erdendingen,
So ist das nichts, als was euch eure Wünsche bringen,
Und was am Tage euch begehret hat im Herzen,
Das wird gar los' im Schlaf mit eurer Seele scherzen,
Und wenn ihr oft am Tage Meiner habt bedenket
Und alles Thun und Trachten stets zu Mir gelenket,
Dann wird, wenn Leib und Seel' sich hat zur Ruh' begeben,
Dem Geist auf kurze Zeit im Himmel Kost gegeben.

Nun merket das zum Schlusse noch, ihr wen'gen Treuen,
Die rechten Träume werden stets euch wohl erfreuen.
Nur wenn die Seel' im Schwanken sich befind't auf Erden,
So wird die Himmelskost euch manchmal bitter werden;
Denn wer noch nicht durch Liebesfeuer ist gegangen,
Dem möcht' vor solcher Feuerskost ein wenig bangen.
Doch wer da denket: Einmal muß ich's doch empfangen,
Der wird nicht schwer zu Meinem Gnadenweg gelangen.
Nachwort hiezu.
Dieses Wenige wohl überdacht wird vorderhand genügen zu wissen, was du wissen möchtest, doch ist in Träumen nichts Verdienstliches, noch etwas Sträfliches, und sind die guten und echten eine freie Hinzugabe ohne alle Rechnung; wer darnach sich kehrt, der thut wohl; doch wer da lebet Meiner Offenbarung treu gemäß, der thut besser, denn die Träume gebe ich nur Meinen tauben Liebhabern; doch wem des Herzens geistige Ohren sind durch das Feuer der Liebe aufgethaut und geöffnet worden, der höre nur recht fleißig in sich Mein lebendiges Wort predigen, durch welches allein er nur zum Leben gelangen wird. - Was aber die Wesenheit der Träume sonderheitlich anbelanget, so wird ihrer bei der Enthüllung des Menschen schon ohnehin ausführlich erwähnt werden; zuerst kommt das Kleine, dann das Große, und endlich das Allergrößte, Amen. Das sage Ich, der da angerufen wurde. Amen, Amen, Amen.
[PsG.01_009]