64. Liebe, Wort und Lehre.
(Empfangen durch J. L. am 27. Mai 1844.)
"Der, die lang schon hat von Mir ein Wort begehrt,
Sei dieses kleine, gute, wahre Lied bescheert!"

Die Liebe ist der Grund von allen Dingen,
Dieß alte Wort muß überall erklingen,
Dieß Wort, der Grund von jeder heil'gen Lehre,
Ist auch der Grund von aller Welten Schwere!
Denn aller Schöpfung Last und reges Leben
Ist in die Tiefe dieses Wort's gegeben.

Das Wort, aus Liebe erst erstand'nes Leben,
Dieß heil'ge eignen Seins bewußte Streben,
Ist auch der Dinge hehr gestaltig Wesen;
In allen Dingen kannst du's finden, lesen;
Der Wesen Schrift sind ihre Wunderformen,
Sie sind der ew'gen Liebe heil'ge Normen.

Die Lehre, heil'ge Ordnung in den Dingen,
Sie ist des Wortes Kraft und treu's Gelingen;
Und so ist dann der Liebe heilig Wirken
In all' den endlos großen Weltbezirken
Des Wortes Ordnung in den ew'gen Kreisen,
Wie's dir all' die Geschöpfe treu beweisen!

Und so bist du, wie all' geschaff'nen Dinge,
Ein wörtlich Theil am großen Wesenringe;
Doch - nicht im Zwang sollst selben du umkreisen!
In freier Ordnung mußt du dich erweisen,
Wie du der freien Ordnung bist entsprossen
Gleich all' den andern freien Raumgenossen.

Dein Auge wende nicht nach jenen Triften,
Die Meine Ordnung stets in dir zerklüften;
Denn dann ist Meine Tröstung, Meine Lehre
Dir nichts, als eine leere Wort=Chimäre!
Nur wenn du frei da thätig bist im Stillen,
Erfüllst du zwanglos Meinen heil'gen Willen.

Nur in der Freiheit weht das wahre Leben,
Im Zwange kannst den Tod dir nur erstreben;
Darum sei Liebe, Wort und Lehr' beschieden
Dir so - wie Jedermann aus Mir hinieden;
Durch diese drei mußt du getauft erst werden
Im Geiste treu und wahr aus Mir auf Erden! -

Wirst du aus Mir die Tauf' nicht überkommen,
Da wird das Kinderrecht dir wenig frommen;
Wirst müssen einstens dahin wieder fliehen,
Wohin dich dein Geschöpfliches wird ziehen!
Darum beachte Liebe, Wort und Lehre,
Die Drei sind lebend Eins, - und nicht Chimäre!

Wer Verständniß hat, der soll dir's deuten,
Dann wirst den wahren Sinn du schon erbeuten.
Amen, Amen, Amen.
[PsG.01_064]