45. Die Fliege

Es sumset die muntere Fliege in luftiger Weise
Ein artiges Liedchen Mir mächtigem Schöpfer zum Preise;
Sie sumset in wonniger Freude gar sinnig von Liebe,
Und kreiset im Meere derselben aus innerem Triebe,
Und redet gar deutlich vernehmliche Worte der Gnade,
Und kündet und zeiget zu gehen euch - ärmliche Pfade.

Nun sehet das Thierchen, wie munter und fröhlich es kreiset,
Und wie es ganz sorglos, gehorsam dem Triebe sich weiset,
In dankbarer Haltung der Richtung, die Ich ihr gegeben;
Und nie wird sie, so wie ihr, nach dem Verbotenen streben.
Ich sage, umsonst ist es nicht euch so nahe gestellet,
Und ob auch das Mittel wohl klein - ist's von Mir doch erwählet!

Ein Flügelpaar, zart, gleich dem Aether, hab' Ich ihr gegeben,
Damit sie sich sollte gar leicht in die Lüfte erheben,
Und kreisen da munteren Flugs in den Strahlen der Sonne,
Und sangen da Licht mit den Aeuglein der goldenen Krone,
Dann tragen dasselbe zum Leben der todten Gebilde
Und zeugen der Härte von Meiner belebenden Milde.

So hab' auch gegeben Ich weise ihr sechs leichte Füße,
Und hab' ihr gegeben, damit sie empfinde die Süße
Des Lebens, zum Saugen der Kost einen tauglichen Rüssel.
Und seht, was Ich nun euch gesaget, nehmt es als Schlüssel,
und denket im Herzen wohl über die Fliege;
Ich sage - die Fliege, die Fliege- sie singt euch vom Siege.
[Fl.01_000]